TRANSFORMATIONEN
Reflexionen zu "islamischer" Kunst





TRANSFORMATIONEN - DER KORANSTÄNDER
Museum für Islamische Kunst, Pergamonmuseum Berlin, 18.11.2005 bis 28.01.2006


IM LICHTE DER YENIDZE
Unter der Kuppel der Yenidze, Dresden, 28.09. bis 10.11.2002
Die Yenidze, 1909 erbaut, ist eines der spätesten Zeugnisse islamischer Kunstrezeption im Abendland im Sinne des orientalisierenden Historismus und der Orient-Exotik.
Von hier gingen auch die populären Alben des Tabakkontors aus, das Bild fremder Kulturen nachhaltig prägend.
Die Yenidze war für diese Ausstellung ein symbolträchtiger Ort: Überlagert von allgemeinen Klischeevorstellungen trivialisierter "orientalischer Pracht", - "ornamental", "überladen", "erstarrt" - regte diese "Performance" in der Kuppel dazu an, kulturell geprägte Sehmuster auszuloten und auch Gegensätze und Brüche zu reflektieren.


TRANSFORMATIONEN - DER KORANSTÄNDER
Staatliches Museum für Völkerkunde, München, 5.11.1997 bis 30.08.1998


TRANSFORMATIONEN - DER KORANSTÄNDER
Der vierteilige "Koranständer" ist ein faszinierendes Objekt: wie ein vielfältiges ornamentales Puzzle von Grundformen der Kunst islamisch geprägter Kulturen; seine Funktionsstellung als Buchständer schien zunächst verschlüsselt. Diskussion und Spiel mit potentiellen Deutungen dieses Gegenstandes - älter als der Islam - , inspirierten zu meiner Bilderfolge und zu einer interdisziplinären Studie (1993 - 1997).
Während dieser Arbeit hat sich meine europäische Sehweise in der Begegnung mit fremder Kunst und Kultur erweitert. Das Objekt wurde für mich zu einem Fokus der Reflexion anderer künstlerischer Prinzipien - aber auch westlicher Sehweisen und visueller Vorurteilsbildung.
Ich habe in meinen Bildtransformationen niemals einen Zusammenhang zwischen dem Gegenstand und dem Koran hergestellt. Dies verbietet mir allein schon der Respekt vor der anderen Religion. Die im westlichen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung "Koranständer" ist unscharf, weil das Objekt allgemein auch im profanen Bereich als Buchständer dient.
Elisabeth Rößler
Katalog
TRANSFORMATIONEN DER KORANSTÄNDER, Herausgeber: Jürgen Frembgen, Elisabeth Rößler; weitere Beiträge: C.-P. Haase; Ch. Kruse; L. Romain; R. Steffan; T. Wöhrlin; Staatliches Museum für Völkerkunde München 1997; ISBN: 3927270148 (13,50 Euro)

Zitate
"Der Glaube, man könne ... die begrifflichen Maßstäbe europäischer Kunstforschung unbekümmert und ungeprüft auf Werke anderer Epochen übertragen, führt zu einseitigen europäistischen Zerrbildern, die der Wesenserfassung fremder Werke in keiner Weise dienlich sind. Das gilt ganz besonders auch für die islamische Ornamentkunst: »Wir dürfen nicht mit Erwartungen an sie herantreten, die wir unkritisch aus unserer Wertskala ableiten«. Die relative Berechtigung europäischer Kunstanschauung darf nicht in ein absolutes Recht zur europäischen Be- und Verurteilung außereuropäischer Formen umgemünzt werden." S. 150
"Bereits der europäisch geprägte Terminus 'Ornament' verfehlt vom rein Begrifflichen her das Wesen der islamischen Musterkunst, die eben nicht in schmückender 'Verzierung' und begleitender 'Dekoration' aufgeht." S. 150
"Die Frage nach Eigenart und Erscheinungsbild 'des' Ornaments kann letztlich nur unter Einbeziehung der islamischen Kunst sinnvoll gestellt und in Richtung einer auf phänomenologische Wesensschau abzielenden Deutung ernsthaft zu beantworten versucht werden." S. 152
© Frank-Lothar Kroll: "Das Ornament in der Kunsttherorie des 19. Jahrhunderts", Olms-Verlag, 1987
"In einer Reihe von Fällen ..., sind wir noch auf einen weiteren Faktor gestoßen, nämlich auf die Ambiguität oder Ambivalenz, durch die ein gegebenes Merkmal sich gleichzeitig für zwei teilweise gegensätzliche Interpretationen anbietet, für eine streng ikonographische und eine ornamentale. Die Frage ist, ob sich diese Ambiguität aus der ursprünglichen Absicht des Künstlers oder aus der Unzulänglichkeit der von uns entwickelten Interpretationskriterien ergibt." S. 262
© Oleg Grabar: "Die Entstehung der islamischen Kunst", DUMONT Buchverlag Köln, 1977
