TRANSFORMATIONEN
Eine Bildinstallation in der Haci-Bayram-Moschee
Ein Versuch im soziokulturellen Bereich an der Schnittstelle von Kunst und Religion




TRANSFORMATIONEN - Eine Bildinstallation
HACI BAYRAM MOSCHEE
Türkisch-Islamische Gemeinde München-Pasing
1.06.2008 bis 30.08.2008
Anlässlich der 850-Jahrfeier Münchens mit dem Motto "Brücken bauen" wurde als eine von insgesamt acht Bildversionen eine 9,5 Meter hohe Bildbahn in der Haci Bayram Moschee gezeigt. Auf Glasfaserstoff gemalt, wurde sie als stockwerkübergreifende Mittelachse des spiralförmig ansteigenden Treppenhauses konzipiert.
Diese Präsentation im Gebäudekomplex einer Moschee ist von muslimischer wie von christlicher Seite ein Versuch, fremde Form- und Bildfindungen sowie gängige Urteile über das "islamische" Ornament wie nur flach, dekorativ, überladen, geometrisch oder erstarrt, gemeinsam zu reflektieren.
In Distanz zu derlei Attributen oszillieren auf diesem Bild Geometrien im Licht; sie erzeugen Spannung, werden räumlich, entwickeln kreisende Dynamik, sprechen von malerischer Freiheit und von energiegeladenen Pinselstrichen als Möglichkeiten persönlichen Ausdrucks.
Paradoxerweise bleibt dabei dennoch die Identität des Fremden gewahrt - auch deshalb, weil sich die Künstlerin unmittelbar auf einen konkreten Gegenstand bezieht: auf einen orientalischen Buchständer, der bis heute in Moscheen als Koranständer in Gebrauch ist. Seine Faltzustände wirken je wie einzelne geometrische Ornamentbruchstücke, so als wären sie Teile der Darstellungen von Ornamenten und Ornamentfragmenten, z. B. auf "islamischen" Fliesen, Holzpaneelen oder auf anatolischen Textilien. Als ein weiteres wichtiges Element wird das Vegetabile, das sich in spiralförmigen Windungen häufig als Relief über die Pulte zieht, in die Malerei eingespielt. Es klingt auch an in der Großform des Treppenhauses, die wie ein Rahmen die Installation umschließt.
Versteht man Kunst auch als Facette kollektiver Identität mit Einfluss auf Architektur, Design, Werbung und als eine im Alltag unterbewusst wirksame Symbolkraft, wird deutlich, dass es bei diesem Projekt um sehr viel mehr geht als nur um Wechselbeziehungen und Lernprozesse zwischen tradierten "islamischen", modernen und heutigen Kunstauffassungen.
Begleitprogramm
Mi 4.6.2008 PD Dr. Jürgen Wasim Frembgen: Zu Ästhetik und Deutung islamischer Kunst
So 8.6.2008 Kinder fragen: Warum hast du das für unsere Moschee gemacht?
Mi 11.6.2008 Dr. Günes Onur: Zum Motiv der Spirale und zu der Installation von E. Rößler
Begleittext Max Leonhard
Fotodokumentation
Gerhard Schwengler / www.rawpix.de ; Peter Rößler
Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes
OFFENE ATELIERS PASING 2008 / BRÜCKEN ZWISCHEN KUNST UND ORTEN DES GEBETS
